Roland Wolf, Robert Neumann, Katja Hiller, Nina Reithmeier © David Baltzer | www.bildbuehne.de
Roland Wolf, Robert Neumann, Katja Hiller, Nina Reithmeier © David Baltzer | www.bildbuehne.de
  • Für Menschen ab 14
Dauer 1 h 15 min
(keine Pause)
  • Uraufführung: 07.03.2014

Der Gast ist Gott

Komödie
Lutz Hübner, Vibhawari Deshpande, Shrirang Godbole
  • Was hatte Boris, 17, erwartet, als er sich von seiner Mutter zu einem Aufenthalt als Austauschschüler in der indischen Millionenstadt Pune beschwatzen ließ? Von seiner Gastfamilie wird er mit überwältigender Gastfreundschaft aufgenommen. Ziemlich naiv und unvorbereitet tritt er selbst jedoch in jedes Fettnäpfchen, das die fremde Kultur für ihn bereit hält. Boris ist in Indien »der mit Migrationshintergrund« – und seine Ansichten und Lebensverhältnisse kommen der indischen Gastfamilie äußerst fremd vor. Ob beim Begrüßungsritual, beim gemeinsamen Essen, beim Kinobesuch oder bei der Überquerung einer achtspurigen Strasse: Boris versucht alles richtig zu machen, aber er kapiert die Regeln nicht. Und als er sich in die Tochter der Gastfamilie verliebt, ist der Spaß endgültig vorbei …

    Lutz Hübner, einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Dramatiker, Autor u.a. von »Frau Müller muss weg«, hat im Austausch mit zwei bekannten indischen Autoren ein sehr komisches Stück für vier Schauspieler geschrieben, über Vorurteile, kulturellen Austausch, über Grenzen und Chancen der Verständigung. Regie führt die FAUST-prämierte Senkrechtstarterin Mina Salehpour.
  • Besetzung

    Radha, Nina Nina Reithmeier
    Boris, Robert Robert Neumann
    Mutter Radha, Mutter Boris, Bela, Verkäufer, Katja Katja Hiller
    Vater, Großmutter, Roland Roland Wolf
    Kostüme Maria Anderski
    Dramaturgie Stefan Fischer-Fels
    Theaterpädagogik Susanne Rieber
  • Auszeichnungen

    Nominiert für den Friedrich-Luft-Preis 2013
  • Pressestimmen

    • http://blog.lustaufkultur.de, Reinhard Wengierek, 17.03.2014

      Da wird auf enorm fantasievolle Art äußerst gekonnt mit Klischees jongliert – und so bringt das klasse Klein-Ensemble die kulturellen Differenzen vehement spielerisch auf den Punkt. Das erhellt durchaus gewisse Fragwürdigkeiten der jeweiligen kulturellen Praxis. Führt aber zugleich zumindest zu einem gewissen gegenseitigen Verständnis zwischen beiden Seiten. Unheimlich amüsantes, heimlich lehrreiches Volkstheater, diese erfrischende – um es passend englisch zu sagen – Culture-Clash-Comedy, mit der das Grips-Theater unter Regie der hoch talentierten Mina Salehpour in seiner Zweitspielstätte Podewil die Schuljugend begeistert. Und auch die Eltern.

    • Berliner Morgenpost, Georg Kasch, 13.03.2014

      In »Der Gast ist Gott« drückt die Regisseurin aufs Tempo, zitiert die Ästhetiken von Computerspielen, Videoclips, Seifenopern und Bollywood. Man spürt den Spaß, den Salehpour und die Schauspieler dabei hatten, sich all die Szenen im Zeitraffer, voll Musicalschmelz, Slapstick und komischem Pathos auszudenken. Virtuos stürzen sich Nina Reithmeier und Robert Neumann als Austauschschüler, Katja Hiller und Roland Wolf als Erwachsene in all die mit hoher Frequenz wechselnden Situationen und Rollen.

    • Neues Deutschland, Volker Trauth, 11.03.2014

      Stück und Inszenierung haben eine Vorgeschichte, die etwas von der völkerverständigenden Kraft des Theaters erahnen lässt. Schon 1983 hatte Intendant Volker Ludwig im indischen Pune sein Grips-Modell vorgestellt. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Künstlern vom Grips-Theater und von der Theatre Academy Pune begann. Auf der Grundlage des Grips-Modells wurden in Indien eigene Stücke und Inszenierungen entwickelt.
      Jüngstes Ergebnis der Zusammenarbeit ist ein Dramatikeraustausch, der den meistgespielten deutschen Theaterautor Lutz Hübner sowie die indischen Kollegen zusammenführte. Sie haben gemeinsam ein Theaterstück entwickelt, in dem die indischen und deutschen Theaterkulturen lebendig werden und die Begegnungen von Indern und Deutschen das Zentrum der Handlung bilden...
      Der jungen Regisseurin gelingt eine federleichte und rhythmisch durchgeformte Inszenierung.

    • Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann, 10.03.2014

      Die 1985 in Teheran geborene Regisseurin bringt dieses Clash-der-Kulturen-Stück in 80 Minuten mit tollem Ensemble und rasanter szenischer Fantasie auf die Bühne. Spielt mit Fast-Forward-Momenten, surrealen Tanz- und Gesangs-Ausbrüchen, angepappten Patriarchen-Bärten. Und lässt lustvoll die stückgemäß überzeichneten Wertvorstellungen kollidieren: hier die strenge indische Familientradition, dort das westliche Patchwork inklusive schwulem Papa. Was als Maxime hinter alldem steht, bringt Roland Wolf sehr schön auf den Punkt: »Einfach mal drauf einlassen!«

    • nachtkritik.de, Simone Kaempf, 10.03.2014

      Die Regisseurin packt den Text klar von der humorigen Seite an. Versetzt das Spiel auf eine abstrakte weiße Spielfläche, in der die vier virtuos spielenden Schauspieler ihre Rollen und Kostüme wechseln. Man kennt solche offene Spielweise natürlich. Laut Programmheft soll sie auch eine lange Tradition im indischen Volkstheater haben. Aber Salehpour, Jahrgang 1985, inszeniert das taufrisch, mit Tempo und hochklassigen Einfällen ... ein Fantasie-explodierendes Spiel mit den Illusionen, die wir uns voneinander machen.

    • Die Deutsche Bühne, Michael Laages, 10.03.2014

      Mina Salehpour, bislang sehr erfolgreich in Hannover und Braunschweig, auch schon ausgezeichnet mit dem »Faust«-Preis, hat die eher schlichte Fabel zielstrebig komisch ins Visier genommen; die Bühne von Jorge Henrique Caro ist offen und ähnelt von ferne Schachbrett oder Stadtplan. Das zeigt: Hier bewegt sich gefälligst alles in geordneten Bahnen. Eigentlich. Oft wird in superschnellem Szenenwechsel mit indischem Konfetti gespielt, und das wirklich flotte Ensemble verwandelt jede Pointe dankbar in herrlich leichtes Spiel.

    • taz.die tageszeitung, Julia Niemann, 09.03.2014

      Wie man so eine klassische Boy-meets-Girl-Geschichte komödiantisch, selbstreflexiv, überhöht aber niemals zynisch auf die Bühne bringt, zeigt die junge Regisseurin im Berliner Podewil. Vier Schauspieler schlüpfen in diverse Rollen. Unter anderem spielen sie sich selbst, während sie in einer Rahmenhandlung die Szenen proben und über Rassismus und Vorurteile genauso diskutieren wie sie sich gegenseitig in ihrer Ahnungslosigkeit von der anderen Kultur und mit wunderbar nachgeahmten indischen Akzent – „verry old indian tradition“ – auf die Schippe nehmen. Der Spaß an der Zuspitzung überträgt sich von der Bühne auf das Publikum und besonders Katja Hiller und Roland Wolf, die jeder mindestens fünf Rollen in dem Stück übernehmen, kann jede Menge komödiantisches Talent attestieren werden.

    • Deutschlandfunk, Kultur Heute, Hartmut Krug, 08.03.2014

      Die Grips-Spielmethode hat, seit einer indischen Adaption des Stückes »Max und Milli« im Jahr 1986, im sogenannten »Grips-Movement in India« eine große Verbreitung gefunden. Die dabei dort übliche offene Spielweise prägt auch die Berliner Inszenierung von »Der Gast ist Gott«. Auf offener Bühne mit zwei Kleiderständern und wenigen winzigen Podesten spielen sich vier Schauspieler durch alle Rollen. Wie sie sich dabei allein mit ein paar Tüchern, einem Schnurrbart oder einer Sonnenbrille, und mit typisierend ausgestellten Haltungen in unterschiedliche Figuren verwandeln, ist von großer Komik und Virtuosität.

  • Materialien

    • Der Gast ist Gott [PDF-Datei - 1.7 MB]
      Zu vielen Stücken des Spielplans bieten wir zusätzlich zum klassischen Programmheft ausführliches Begleitmaterial an, um den Theaterbesuch vorzubereiten beziehungsweise zu vertiefen.