Von Wohnungslosen ausgezeichnet: Der Hansaplatz ist der obdachlosenfeindlichste Ort Berlins!

Im Rahmen der Verleihung der Goldenen Keule am 21.11.2021 entschied sich eine Fachjury aus mehrheitlich obdachlosen Menschen aufgrund vielfältiger Verdrängungsmaßnahmen für den Hansaplatz als obdachlosenfeindlichsten Ort Berlins.
Mit im Rennen um den Preis waren der Ostbahnhof, der Alexanderplatz und die Habersaathstraße.

Am Ende war es knapp: Nach einer intensiven Debatte innerhalb der Jury setzte sich der Hansaplatz gegen den Zweitplatzierten, den Berliner Ostbahnhof, durch. 
Gewinnerin der Goldenen Platte, des Positiv-Preises für besonderes Engagement, war dagegen die Berliner Obdachlosenhilfe, die seit acht Jahren obdachlose Menschen in der Stadt unterstützt.

Haben Sie noch Fragen oder Wünsche zur GOLDENEN KEULE?
Dann ist Annabelle Brumm von GANGWAY e.V. Ihre Ansprechpartnerin: 
annabelle@gangway.de

Die unrühmlichen Verdrängungsmaßnahmen am Hansaplatz überzeugten letztendlich die Jury:
So kam es auf einer von Anwohner*innen, Gewerbetreibenden und Lokalpolitiker*innen organisierten Versammlung zu Ausgrenzungsfantasien gegen Obdachlose, z.B. ihnen nichts mehr zu verkaufen, und zur Pöbelei gegen die Berliner Obdachlosenhilfe, die dort wöchentlich am Sonntagabend eine Essensausgabe organisiert. Eine später installierte Höhenbeschränkung für die (nicht überdachte) Parkfläche vor Ort sorgte dafür, dass deren Bus nicht mehr auf den Platz fahren konnte. Anfang 2020 wurde darüber hinaus eine zweifelhafte Platzordnung aufgestellt. Diese vermischte öffentlichen und privaten Raum, stattete Sicherheitsdienste mit eigentlich Polizei-exklusiven Befugnissen aus und verstieß gegen das Grundgesetz (Verbot von unnötigem Aufenthalt im öffentlichen Raum). Der Sicherheitsdienst, der die Platzordnung durchsetzen sollte, wurde anteilig vom Inhaber des ansässigen „Shopping Centers“ und vom Bezirksamt finanziert. Eben jene Verbrüderung von privaten, behördlichen und politischen Akteur*innen gegen obdachlose Menschen war ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury, den Hansaplatz mit der „Goldenen Keule 2021“ auszuzeichnen.

Gewinnerin der Goldenen Platte, des Positiv-Preises für besonderes Engagement, war dagegen die Berliner Obdachlosenhilfe, die seit acht Jahren obdachlose Menschen in der Stadt unterstützt. Laudator und Gangway- Fachsteuerung Juri Schaffranek übergab diesen Preis nicht ohne einen Apell an die Stadtpolitik und -gesellschaft, die zur Beseitigung der Obdachlosigkeit notwendigen Wohnungen im geschützten Marktsegment zur Verfügung zu stellen und Kapitalinteressen endlich den realen Bedürfnissen von Bewohner*innen dieser Stadt unterzuordnen

Wie kam es zu diesem Preis?
„2019 hat hier am Hansaplatz ein Immobilienunternehmen versucht, im öffentlichen Raum eine Platzordnung zu erlassen und umzusetzen, bei der man sich ohne Grund nicht mehr hätte auf dem Hansaplatz aufhalten dürfen, was unfassbar war!“, so GRIPS-Leiter Philipp Harpain. „Das ging überhaupt nicht mit dem Grundgesetz überein! Mit dem Verein Gangway, der sich u.a. auch um die Obdachlosen am Hansaplatz kümmert, sind wir im Zuge dessen ins Gespräch gekommen, sie haben sich AUS DIE MAUS, unser Kinderstück über Obdachlosigkeit, angesehen und so hat sich dieser Preis entwickelt. Mittlerweile haben sich der Idee bundesweit über 30 Initiativen angeschlossen, Veranstalter ist GANGWAY e.V..“

Der Schauspieler Florian Bartholomäi ist Schirmherr 
Dazu der Schauspieler Florian Bartholomäi, Schirmherr der Verleihung der Goldenen Keule 2021:
"Unsichtbare Formen und Methoden der Verdrängung von obdachlosen Menschen und Gewalt an wohnungslosen Personen stellen keine Einzelfälle dar. Obdachlose auszugrenzen und im Stadtbild unsichtbar machen zu wollen, ist keine Unterstützung für die Betroffenen, man muss ihnen helfen. 
Da mich das Thema immer schon beschäftigt hat, war ich sehr daran interessiert zu hören, dass Gangway - Straßensozialarbeit in Berlin e.V. und das GRIPS Theater im Jahr 2020 zusammenkamen, um sich genau darüber auszutauschen. Es entstand die Idee, einen Preis - Die Goldene Keule - für den obdachlosenfeindlichsten Ort Berlins zu vergeben, um die gängige Praxis bei der Verdrängung obdachloser Personen zu beschreiben, auf das Unrecht aufmerksam zu machen und Politiker*innen an ihre Verantwortung zu erinnern. Denn die Politik ist mitverantwortlich für unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – Rahmenbedingungen, die Obdachlosigkeit verhindern und Wege aus der Not anbieten können. 
Umso mehr freut es mich, in diesem Jahr Schirmherr der Goldenen Keule sein und etwas für die Menschen tun zu können. Mir haben Begegnungen mit obdachlosen Personen geholfen, meine eigenen Vorurteile abzubauen.Ich bin davon überzeugt, wenn sich die Menschen mit dem Thema Obdachlosigkeit befassen, ein aufgeklärteres Bild entsteht und dadurch Lösungsansätze gefunden werden können. Ich freue mich auf die Verleihung der Goldenen Keule und den Austausch, der dadurch entsteht"

Die gesamte Pressemitteilung von Gangway zur Preisverleihung finden Sie untenstehend zum Download, und direkt auf der Website von GANGWAY.

Unterstützer*innen 
„Die Goldene Keule“ wird unterstützt durch den Paritätischen Landesverband Berlin, das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, den Humanistischen Verband Berlin Brandenburg, die Selbstvertretung Wohnungsloser Menschen, den Arbeitskreis Wohnungsnot, die BAG Streetwork/Mobile Jugendarbeit, das Armutsnetzwerk, die Berliner Obdachlosenhilfe, KLIK, den Strassenfeger, das GRIPS Theater, querstadtein.org, die Tiny House Foundation, das Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn und die Aktivistinnen für Wohnen, Mieten und Soziales.