© Jan Schenck | picturex.net
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Was ist GRIPS?
Profil ab Spielzeit 2016/17

GRIPS ist der Begründer des „emanzipatorischen Kinder- und Jugendtheaters“. Seine Wurzeln bezieht es aus dem politischen Kabarett und aus der Studentenbewegung: Volker Ludwig hatte 1969 die Leitung des „Theater für Kinder im Reichskabarett“ übernommen und als Freie Gruppe für realistische, später emanzipatorisch genannte Kinderstücke etabliert. Seit Ende 1971 wird das GRIPS Theater finanziell durch den Berliner Senat unterstützt. Aufklärerisch steht die Bühne ihrer eigenen Tradition durchaus kritisch gegenüber und ist stets bemüht, auf sich permanent wandelnde Verhältnisse unabhängig zu reagieren.

GRIPS ist zeitgenössisches und politisches Volkstheater. Es erzählt Geschichten, die von der Welt handeln, und schafft Figuren, die stellvertretend für sein Publikum dessen Probleme auf der Bühne verhandeln. Im Vordergrund steht die gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit den realen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Die künstlerische Arbeit geht von den Interessen seines Publikums aus, das nicht selten aus bildungsfernen, ästhetisch ungeschulten Erstbesuchern besteht. Seit 1980 auch für Erwachsene spielend, erreicht GRIPS ein generationen-, kulturen- und schichtenübergreifendes Publikum. Das Haus fühlt sich besonders jenen verpflichtet, die in einer zunehmend global gesteuerten Gesellschaft als benachteiligt gelten. Es bezieht in seiner Arbeit Stellung auf unterschiedliche Formen von Ungerechtigkeit und reagiert aktiv auf gesellschaftliche Missstände. So erreicht es bei seinem Publikum ein hohes Maß an Identifikation und Empathie.

GRIPS wird oft als „Mutmachtheater“ bezeichnet, denn es zeigt, dass die Welt im Kleinen wie im Großen vor allem eines ist: veränderbar. Dies schließt auch den eigenen Mut zu unbequemen Stoffen oder zu Arbeiten jenseits des Mainstreams ein. Das Theater sucht gesellschaftliche Zusammenhänge zu erhellen und durchschaubar zu machen. Es fördert die soziale Phantasie des Publikums, indem es Anregungen gibt und zu eigenständigem Denken auffordert.

GRIPS ist Autorentheater und Produzent von Uraufführungen gesellschaftskritischer Theaterstücke. Der Spielplan wird bestimmt durch komödiantische und musikalische Geschichten. Gleichzeitig öffnet GRIPS sich immer wieder für unterschiedliche Genres wie dokumentarisches, biografisches oder erzählendes Theater und bedient sich aus unterschiedlichen Sparten.

Die Zusammenarbeit von Autoren, Regie und Ensemble geht weit über klassische Produktionsweisen hinaus. GRIPS steht für eine besondere Form des Ensembletheaters, das mit großem Engagement hinter der Arbeit und ihren Stoffen steht, die auf der Bühne sichtbar werden. Deshalb sind alle Fragen über spielplanrelevante Inszenierungen und in Grenzen auch etwaige Neu-Engagements fester Ensemblemitglieder nicht allein Entscheidung der künstlerischen Leitung, sondern werden mehrheitlich nach einem Mitbestimmungsmodell in einem Gremium beschlossen. Diese Form der Mitbestimmung, die in Teilen immer schon bestanden hat, wird in Zukunft konsequent gestärkt und erweitert: Zu seinen Mitgliedern gehören ab der Spielzeit 2015/2016 (und vorbereitend) nicht nur Kolleginnen und Kollegen aus dem Ensemble, aus den Bereichen Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit, Theaterpädagogik sondern auch aus den Bereichen Musik und Gewerke. Ziel ist es, damit das gesamte Haus aktiv an der Spielplangestaltung zu beteiligen.

Eine zweite tragende Säule des Theaterbetriebes neben dem Repertoire ist die theaterpädagogische Arbeit. Als Forschungszentrum für Phänomene und Geschichten von Kindheit und Jugend der Gegenwart ist sie für die Entwicklung von theatralen Stoffen unabdingbar. Sie bildet mit ihren Recherchen „vor Ort“ die Schnittstelle zwischen Theatermachern und Publikum, das sie bereits vor der Premiere in den Produktionsprozess einbindet und anschließend durch zahlreiche weitere Angebote weiter begleitet. Darüber hinaus gibt sie jungen Menschen Möglichkeiten und Mittel der Partizipation an künstlerischen Prozessen und gesellschaftskritischen Diskursen in die Hand. In eigenen Projekten und Produktionen, die durch ihr eigene spezifische Theaterformen geprägt sind, emanzipiert sie sich außerdem von ihrer Funktion als reinem Zuträger des künstlerischen Produktionsbetriebes. Die Vielfalt der theaterpädagogischen Projekte wird vor allem auch durch die Kooperation mit zahlreichen Partnern in künstlerischen und gesellschaftlichen Feldern ermöglicht. Die eigene Forschungsarbeit wird so an Multiplikatoren weiter gegeben.

Das Profil des GRIPS in all seinen Facetten zu bewahren, im Spielplan lebendig zu halten und weiter zu entwickeln, ist Aufgabe der Künstlerischen Leitung des Theaters. Darauf haben sich Volker Ludwig und Philipp Harpain verständigt.

Volker Ludwig
Geschäftsführer und Eigner der GRIPS gGmbH

Philipp Harpain
Künstlerischer Leiter des GRIPS