Titus
von Jan Sobrie aus dem Niederländischen von Eva Maria Pieper unter Mitarbeit von Christina Vandekerckhove und Kopergietery Regie: Stephan Beer
Übernahme einer Produktion des theater magdeburg
Auszeichnungen
Die Inszenierung wurde eingeladen zum 9. Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen im Mai 2007 in Berlin.
Jürgen Zielinski
Kurator des Kinder- und Jugendtheatertreffens in seiner Einladungs-Begründung:
Diese Inszenierung für Mädchen und Jungen wird von einem hervorragenden Schauspieler gespielt: leise, schnell, witzig, direkt. Der Text eines belgischen Autors und Schauspielers wurde von einem jungen deutschen Regisseur wahrhaftig, unprätentiös, zärtlich und nuancenreich - alles in allem überhaupt nicht deutsch - inszeniert. Videoeinspiele, kraftvolle Musik und Bühneneffekte sind wirkungssicher, gleichwohl unaufdringlich eingesetzt. Die Inszenierung begreift Pubertät als Chance, auch wenn es um Leben und Tod geht.
Esther Slevogt
Kritik im Rahmen des Kinder- und Jugendtheatertreffens:
Jugendtheater beschäftigt sich viel mit Außenseitern und Problemkindern. Meist aber entsteht bei ihrer Darstellung dann durch schauspielerische Überambition der paradoxe Effekt, dass die Figur nicht nahe kommt, weil man beim Zuschauen Abwehr gegen allzu expressiv zur Schau gestelltes Unglück und Anderssein empfindet und daher beim Zuschauen instinktiv den Wunsch verspürt, sich von ihr zu distanzieren. So verstärken solche heulenden und zähneklappernden Darstellungsweisen im Grunde noch die unüberbrückbare Isolation der Figur in ihrer Absonderlichkeit und Problematik. Denn wir schauen sie an und wundern uns nicht, dass sie Probleme hat. Denn sie benimmt sich ja irgendwie auch komisch. Weswegen wir uns ihre Probleme zwar gerne auf dem Theater betrachten, aber sonst lieber nicht damit in Berührung kommen wollen.
In Stephan Beers Inszenierung ist das ganz anders. Hier steht man zunächst ein wenig fassungslos, bald aber entwaffnet vor dem Unglück des Jungen Titus. Und mehr noch von seinem Versuch, die Oberhand über sein Leben zu gewinnen - also statt als Objekt eines für ihn unerträglichen Schicksals aufgerieben zu werden, lieber zum gestaltenden Subjekt seines Lebens zu werden.
Am Anfang steht dabei erst einmal der radikale Wunsch, sich das Leben zu nehmen. Dann geht Titus sein Leben und seine Probleme noch einmal durch und hat am Ende etwas begriffen: das Glück fällt nicht vom Himmel, wie der Fisch, den er sich als Glückszeichen wünscht. Man muss selbst dafür sorgen. Auch als Zuschauer hat man Titus am Ende ins Herz geschlossen, geht im Grunde freudig mit, wenn er sich schließlich seinen Goldfisch selber kauft, statt zu warten, dass er vom Himmel fällt und denkt: Mensch, der ist doch ganz ok. Vielleicht könnte der sogar mein Freund sein. Und wenn ich dann im richtigen Leben das nächste Mal einen schwierigen Menschen sehe, gucke ich vielleicht etwas genauer hin.
Mehr Informationen über das Kinder- und Jugendtheatertreffen unter: www.augenblickmal.de (externer Link)




