Schöner wohnen
Ein singender Umzug
von Franziska Steiof und Ensemble Arrangements und Musik: Thomas Zaufke Regie: Franziska Steiof
Pressestimmen
Berliner Morgenpost, Elena Philipp, 04.09.2011
Ein Panorama von Großstadttypen hat Autorin und Regisseurin Franziska Steiof mit dem Grips-Ensemble für „Schöner wohnen“ entwickelt: Paul, Adile und Cyrus, den Alt-Hippie und Hausbesitzer Harald, die Edelnutte Charlotte, das Spießerpaar Anja und Markus. Idealtypisch verkörpern sie die „verdichtete Unterschiedlichkeit“ einer Stadt: Alt und jung, arm und reich - alle unter einem Dach. Liebevoll sind die Figuren mit ihren Macken und Widersprüchen gezeichnet, „Schöner wohnen“ ist eine veritable Berliner Milieustudie.

die taz, Julia Niemann, 06.09.2011
Das Stück zeigt eine Situation, wie sie aktueller kaum sein könnte, denn in letzter Zeit finden viele Berliner Briefe mit Mieterhöhungsankündigungen in ihren Briefkästen. ... Menschen, die nichts als dieselbe Adresse verbindet, müssen sich plötzlich zwischen Abfindung und Umzug oder saftiger Mieterhöhung entscheiden. Diese Bedrohung von außen kann die fragile Fassade eines gestressten Großstadtmenschen derart erschüttern, dass sein ganzes Lebensmodell ins Wanken gerät. Im Ausspielen dieses Moments, wenn das entscheidende „Zuviel“ das Fass zum Überlaufen bringt, liegt die Stärke von „Schöner Wohnen“. ... Am Ende wird man in die Nacht entlassen mit der Gewissheit, dass Veränderung zwar Angst macht, aber immer noch besser ist, als der von Punkerpaule verteidigte Stillstand.

Junge Welt, Anja Röhl, 05.09.2011
Diese Personen, deren Beziehungsprobleme dahinzuplätschern scheinen, steigern sich im Laufe des Stückes eruptiv zu historisch typischen Figuren hoch, die einem noch lange nach dem Ende des Stückes in Erinnerung bleiben. Und das geschieht durch den dialektischen Kniff, den das Grips wie kaum ein anderes deutsches Theater beherrscht, das Typische am Individuellen herauszuarbeiten. Und dazu die Wünsche, Befürchtungen, Sehnsüchte und Widerstandskräfte vieler wie in einem Brennglas zu bündeln. Wie das dramaturgisch und schauspielerisch umgesetzt wurde, ist großes politisches Theater.

Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann, 03.09.2011
Die musikalischen Arrangements von Thomas Zaufke sitzen, die vierköpfige Band hat Drive, die Songeinlagen zwischen Randy Newman und Britney Spears sind komisch, das Ensemble ist spielfreudig wie eh und je.

www.thatsmusical.de, Julia Hoffmann, 04.09.2011
Das Schauspiel zeigt eine Geschichte, wie sie lebensnaher, fröhlicher und hoffnungsvoller kaum sein kann. In das Leben der Berliner Bewohner einzutauchen, macht Spaß, ist unterhaltsam und anrührend. Die verschiedenen Charaktere werden vom Ensemble des Grips Theaters wunderbar in Szene gesetzt, und es scheint unmöglich, jemanden besonders hervorzuheben - so sehr glänzen die einzelnen Schauspieler in ihren Rollen.
Untermalt wird das Ganze mit eigens für das Stück komponierten Liedern aus der Feder von Thomas Zaufke, aber auch mit Songs wie Pinks „Funhouse“ oder Nelly Furtados „All Good Things Come to End“, die in neuen, teilweise witzigen Arrangements zu hören sind. Musik funktioniert auch hier als Gefühlsgarant.
Das Grips Theater versprüht demnach auch unter Intendant Stefan Fischer-Fels noch das Berlin-Gefühl, was schon Fans des Klassikers „Linie 1“ bestens vertraut ist. Wer also schon damals mit Bambi und Maria mitfühlte, wird an „Schöner Wohnen“ mindestens genauso viel Freude haben.

gentrificationblog.wordpress.com, Andrej Holm, 03.09.2011
Es klingt ziemlich abgefahren, aber dem Ensemble des GRIPS-Theaters gelingt es Lefebvre, Eisern Union und die Binnenperspektive auf die Gentrification sinnvoll und flott erzählt in einem Stück zusammenzubinden. Die Inszenierung ist mitreißend und die Darsteller großartig. Am Ende des Abends wurden von den Schaupieler/innen auch noch die Flyer der Mietendemo verteilt – mehr kann man von einem Theaterabend eigentlich nicht erwarten.





