Florian Rummel, Katja Hiller © David Baltzer | www.bildbuehne.de
Florian Rummel, Katja Hiller © David Baltzer | www.bildbuehne.de
  • Für Menschen ab 14
Dauer 55 min
(keine Pause)
  • Premiere: 15.04.2010

Big Deal?

von David S. Craig aus dem Englischen von Anke Ehlers
  • Alex: „Wann hast du zum letzten Mal einen Tag ohne Kiffen ausgehalten?“
    Jan: „Weiß ich nicht mehr...“

    Drogen sollten legal sein und Kiffen ist nicht gefährlicher als Alkohol - das findet jedenfalls Jan, der auf einer Party von der Polizei mit einer größeren Menge Cannabis erwischt wird.

    Sein Vater Carl dagegen nennt Jan „einen Verbrecher“ und hat Angst, sein Sohn könne auf die schiefe Bahn geraten. Vater und Sohn leben anscheinend auf zwei verschiedenen Planeten. Das Stück erzählt von der vorsichtigen Annäherung zwischen den beiden - vermittelt durch die Drogenberaterin Alex.

    Der Autor David S. Craig, der in seiner Jugend selbst Erfahrung mit Cannabis gemacht hatte, begann sich als Vater ganz neu mit dem Thema auseinanderzusetzen, als seine Kinder anfingen, sich für Marihuana zu interessieren. Ihm wurde klar, dass sie die Droge und ihre Folgen verharmlosten: „„Schließlich ist es doch nur ein Kraut, oder?“ Auch ich war lange dieser Überzeugung. Meine Generation war es, die Marihuana erst so richtig populär gemacht, aus den Ghettos geholt und in der bürgerlichen Mittelschicht verbreitet hat. Aber als Vater sah ich mich plötzlich in der verzwickten Lage, gegen die Protesthaltung und all die fadenscheinigen Verharmlosungen zu argumentieren, die mir früher selbst so wichtig erschienen. Es gab jedoch keine andere Wahl für mich, denn ich musste mit ansehen, wie sich die Droge langsam aber sicher auf die Gesundheit und das Verhalten meiner Kinder auszuwirken begann, ohne dass sie selbst sich dessen bewusst waren.“

    Auf der Folie der Drogenproblematik entfaltet sich in dem kammerspielartigen Jugendstück das Drama einer gefährdeten Vater-Sohn-Beziehung, ein Aspekt, für den sich Regisseur Robert Neumann besonders interessiert hat: „Es geht um einen jungen Mann, dessen Kontakt zu seinem Vater gestört ist. Mich interessiert die Frage: Wie kommt es dazu, dass Kinder und Eltern einander so fremd werden, was ist da passiert? Das Stück hält Möglichkeiten für eine Annäherung bereit, allerdings geht das nur über den Konflikt.“

    „Big Deal?“ ist eine intelligente und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Pubertät und Identität, ein Stück über Drogensucht, Sehnsucht und das schwierige Experiment Familie.

  • Besetzung

    Carl Schneider Thomas Ahrens
    Alex de Gruijter Katja Hiller
    Jan Schneider Florian Rummel
    Bühne und Kostüme Max Julian Otto
  • Pressestimmen

    • zitty, Axel Schalk, 10/2010

      Ein starkes Ensemble und nicht minder stark, die an der Bühnenhinterwand das Geschehen kommentierenden Bilder. Ergreifend der Augenblick, wenn Beraterin Alex ihre eigene Drogen-Geschichte erzählt.

    • Berliner Lehrerzeitung, Hans-Wolfgang Nickel, 06/2010

      Ebenfalls von besonderer Qualität die gezeichneten Video-Zwischenspiele; endlich einmal Einblendungen, die sinnvoll sind, Informationen vermitteln, Gefühle sichtbar machen. Nur drei Personen, wunderbar besetzt, superb gespielt - dazu ein (inhaltlich und grafisch) vorzügliches Programmheft.

    • Junge Welt, Anja Röhl, 23.04.2010

      Für die Wand hat sich der Bühnenbildner Max Julian Otto etwas Besonderes ausgedacht: Auf ihr laufen Zwischenszenen, und zwar als gezeichnete Filme der Großstadtrealität des „Draußen“ – Hochhäuser, paar Pommes von Mäckes und zugezogene Kapuzenkinder, die von Ort zu Ort schlurfen. Nach jeder Szene werden eindrucksvolle Zeichnungen in Bewegung gesetzt, die das eben Gesagte gestalterisch kommentieren. Das hat man so noch nicht gesehen. Ganz nebenbei wurde hier ein neues Genre geschaffen...

    • Berliner Zeitung, Irene Bazinger, 22.04.2010

      Robert Neumann hat das Stück in der Außenstelle des Grips Theaters im Podewil ohne alle Sentimentalität inszeniert – und ohne verständnisheischende Toleranz. So hart die Geschichte um den behüteten Jungen aus geordneten Verhältnissen ist, so klar bleibt die einleuchtend gezeichnete Aufführung mit dem überzeugenden Ensemble jeder vorschnellen Antwort fern.

    • Berliner Morgenpost, Stefan Kirschner, 17.04.2010

      Ein packendes Kammerspiel in Echtzeit: Im Zentrum der Inszenierung – die mit einem tollen Animations-Comicfilm (Max Julian Otto) verzahnt ist – steht das Zusammentreffen von Vater (Thomas Ahrens) und Sohn (Florian Rummel) im schäbigen Ausweichbüro der Drogenberaterin (Katja Hiller). Alle drei spielen höchst authentisch, die Moralkeule bleibt im Schrank. Unbedingt anschauen!

    • Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann, 17.04.2010

      Eine dichte, sehenswerte Arbeit. Florian Rummel spielt den kleinkriminellen „Legalize it!“-Demonstranten als leicht aus der Bahn geratenen Trotzkopf im Vorwärtsverteidigungsmodus, Katja Hiller gibt mit anbiederungsfreier Kumpelattitüde die junge Drogenberaterin Alex de Gruijter, bei der Jan sich einzufinden hat. ... Dazwischen reißen Comicsequenzen, die der Bühnenbildner Max Julian Otto gestaltet hat, die Gegenwelt zum schäbigen Besenkammerbüro auf – furios-plakative Kurztrickfilme, die von Partyexzessen, Pubertätssehnsüchten und Fluchtwünschen erzählen...

  • Materialien

    • „Materialien zu Big Deal?“ [PDF-Datei - 4 MB]
      Zu vielen Stücken des Spielplans bieten wir zusätzlich zum klassischen Programmheft ausführliches Begleitmaterial an, um den Theaterbesuch vorzubereiten und/oder zu vertiefen. Sie werden darin auch altersgemäßes pädagogisches Material entdecken, das Ihnen als Lehrer helfen soll, den Unterricht zu gestalten.
  • Aufführungsrechte

    THEATERSTÜCKVERLAG