Volker Ludwig 



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Berliner Zeitung, 28.06.2010 

 
 

Der Erneuerer des Grips-Theaters

Von Regine Müller

© Berliner Zeitung

Mit acht Jahren konnte Stefan Fischer-Fels die komplette Partitur der Zauberflöte mitsingen. Denn oft hatte er seinem Vater, einem Opernsänger, zuhören müssen. Mit zehn hatte er mehr als genug von Opernhäusern, Sänger kam als Beruf nicht mehr infrage. Und wie die Mutter in einer Apotheke Pillen zu drehen, das war dem 1964 in Berlin geborenen Mann zu langweilig. Ein Leben voller Abenteuer schwebte ihm vor. Geworden ist er nach einem Schauspiel-Psychologie-Soziologie-Studium in Tübingen und einer Zeit als Fußballtrainer - Theaterleiter. Und sein nächstes Abenteuer heißt Berlin, heißt Grips-Theater. Dort stellt ihn Theater-Gründer Volker Ludwig heute als neuen künstlerischen Leiter vor.

Als Muse und Manager zugleich beschreibt sich Stefan Fischer-Fels auf der Internetseite des Düsseldorfer Schauspielhauses. Dort übernahm er vor sieben Jahren das damalige Kinder- und Jugendtheater, das später in Junges Schauspielhaus umbenannt wurde. Er machte daraus eine der führenden Jugendbühnen im Lande. Mehrfach war das Ensemble mit seinen Eigenproduktionen zu Jugendtheatertreffen eingeladen und unternahm Gastspiele in die ganze Welt. Oft wurden Fischer-Fels' Produktionen auch am Großen Haus gezeigt und für Stücke wie „Frühlings Erwachen“, „Türkisch Gold“ oder „Ich knall euch ab!“ heimste er zuhauf Auszeichnungen ein.

Trotz dieser glanzvollen Bilanz lässt der designierte Düsseldorfer Intendant Staffan Valdemar Holm ihn nun nach Berlin ziehen, zurück ans Grips-Theater, wo er bereits zehn Jahre lang Dramaturg war. Als hätte der umtriebige Vater dreier Kinder das immer schon geahnt, hat er trotz gut gefüllten Terminkalenders den Kontakt nach Berlin nie abreißen lassen: „Ich habe fast jede Premiere gesehen. Das Grips-Theater ist ja meine künstlerische Heimat geblieben.“

Ergo plant Fischer-Fels bei aller Lust am Neuen am Grips-Theater keinen radikalen künstlerischen Neuanfang: Es wäre ja Unsinn, ein solch erfolgreiches Konzept aufzugeben, sagt er. Doch als Traditionsverwalter will er sich auch nicht verstehen. Ihm schweben mehr Experimente und eine Erneuerung vor. „Aber behutsam, mit Respekt und Liebe.“ Er stehe für ein Theater, das sich mit Lust mit der Welt beschäftigt. Vielleicht wird an der Bühne am Berliner Hansaplatz künftig mehr getanzt als früher, denn das hat Fischer-Fels in seiner Düsseldorfer Zeit besonders beeindruckt. Und vielleicht steht er auch hier ab und an selbst auf der Bühne.

Aus dem Jungen Schauspielhaus Düsseldorf machte Stefan Fischer-Fels eine der führenden Jugendbühnen im Lande. Mehrfach war das Ensemble mit seinen Eigenproduktionen zu Jugendtheatertreffen eingeladen und unternahm Gastspiele in die ganze Welt. Für seine dortigen Produktionen heimste er zuhauf Auszeichnungen ein.