Volker Ludwig
Reden
Laudatio für Inge Deutschkron
Festrede aus Anlass der Verleihung der Luise-Schroeder- Medaille an Inge Deutschkron, gehalten am 17. April 2008 im Festsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Es ist gar nicht so einfach, eine offizielle Laudatio halten zu sollen für jemand, mit dem man seit 20 Jahren privat befreundet ist, Feste feiert, lacht, sich freut, schimpft und lästert. Und dann vor einem Publikum zu reden, das diesen Menschen über alle Fraktionen und Generationen hinweg so innigst feiert, dass man angesichts einer so streitbaren Person wie Inge Deutschkron schon wieder misstrauisch werden kann.
Deutsche Ehrungen hatte sich Inge bis vor wenigen Jahren strikt verbeten. Das Bundesverdienstkreuz wurde ihr gleich dreimal vergeblich angetragen, das erste Mal 1972, wahrscheinlich aus Freude, weil sie Bonn für immer den Rücken kehrte. Sie wollte keinen Orden mit Hunderten alter Nazis teilen, die unter Adenauer damit bestückt worden waren und Inge das Leben am Regierungssitz unerträglich gemacht hatten.
Erst 1995 machte Inge eine Ausnahme mit dem Moses-Mendelsohn-Preis zur Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen Völkern, Rassen und Religionen, der ihr zusammen mit dem unvergessenen Heinz Knobloch verliehen wurde. Und 2002 ließ sie sich gerne und ohne Bedenken von Klaus Wowereit den Berliner Landesverdienstorden um den Hals hängen. Den gibt es erst seit 1987. Und von ganzem Herzen Berlinerin war sie immer, ist sie immer und wird sie immer sein, seit sie als Kind mit den Eltern von Finsterwalde an den Prenzlauer Berg zog.
Heute sind wir zusammen gekommen, um Inge Deutschkron zu einer weiteren, besonders hohen Ehrung zu gratulieren: Einem Orden, der einmal jährlich vom Berliner Parlament verliehen wird, falls es sich einig ist: Der Luise-Schroeder-Medaille. Passt die auch zu Inge? fragten wie stets ihre kritischen Freunde. Für Verdienste um die Gleichstellung von Mann und Frau? Doch eher weniger. Dass es für Luise Schroeder ein Hauptthema war, ist klar. Das Frauenwahlrecht wurde schließlich erst 1919 eingeführt, im Jahr ihrer Wahl zur Reichstagsabgeordneten. Aber wenn man dann liest, mit welcher Wut Luise Schroeder als junge Genossin öffentlich protestierte, als die SPD 1914 die Kriegskredite bewilligte, wenn man erfährt, was für kämpferische, schlagfertige Reden sie hielt, wenn man sich ihr Foto als 32jährige Abgeordnete ansieht, wie herausfordernd, kess, ja kiebig sie da aus der Wäsche kiekt, und wenn man schließlich auf der Medaillen-Rückseite liest, dass sie ihre Erfüllung besonders darin fand, die Menschen zueinander zu bringen und ihre Abneigung gegen die Diktatur zu stärken, dann scheint diese Ehrung geradezu für Inge Deutschkron erdacht worden zu sein, und man fragt sich, warum sie sie nicht schon in einem anderen Jahr bekommen hat.
Inge Deutschkrons Geschichte ist bekannt. Die zwölf Jahre ihrer gestohlenen Jugend in Berlin unter den Nazis, zuletzt als versteckte Jüdin, kann und muss ich hier nicht schildern. In ihrem Buch „Ich trug den gelben Stern“ hat sie diese Zeit mit ihrem ganzen Können als große Journalistin eindrucksvoll und lapidar beschrieben. Millionen haben das Buch gelesen, und Hunderttausende konnten mit dem GRIPS- Theaterstück Ab heute heißt du Sara Inges Geschichte auf inzwischen 40 Bühnen nacherleben.
Im Buch wie im Stück gibt es einen besonders erschütternden Moment, der uns ahnen lässt, wo der Ursprung für die nie nachlassende phänomenale Energie liegt, „power“ sagt man heute, die wir an Inge Deutschkron so bewundern. Es ist der 27. Februar 1943, der Tag der so genannten Fabrikaktion, an dem die letzten Berliner Juden abgeholt werden. Alle. Und Inge kann es aus ihrem Versteck beobachten - und fühlt sich schuldig. Als Verräterin. Ein für uns schwer zu fassendes Gefühl, von dem aber so viele Überlebende berichten. Warum gerade ich? Ich gehöre doch jetzt zu ihnen. Dieses Übrig-Bleiben muss doch irgend einen Sinn haben. Ich bin denen, deren Schicksal auch mir zugedacht war, etwas schuldig, ihnen und denen, die mir und anderen das Leben gerettet haben. Wer auch immer lässt mich am Leben, für etwas, das zu tun bleibt: Zu berichten? Zu warnen? Bis zum letzten Atemzug dafür zu kämpfen, dass sich solches Grauen nie wiederholt - ?
Im Überleben einen Sinn zu erkennen, wurde den Entkommenen des Holocaust nach dem Krieg ziemlich schwer gemacht. Sie konnten sehen, wo sie bleiben. Niemand kümmerte sich um sie. Sie störten den Verdrängungsprozess, machten die schöne „Stunde Null“ zur Farce. Überhaupt hat kein deutscher Politiker je die Emigranten zur Rückkehr eingeladen. Kein Willy Brandt, kein Theo Heuß, und ein Adenauer schon gar nicht. Inges Vater wäre liebend gerne nach Berlin heimgekehrt. Doch er fühlte sich zu unwillkommen. Inge dagegen wollte bald in Berlin bleiben. Sie lernte, ihre physische und geistige Freiheit zu genießen. Sie trat der wiedererstandenen SPD bei, die sie als ihre Heimat empfand, wie sie es von ihrem Vater kannte. Sie vertraute darauf, dass nunmehr die Antifaschisten die Führungsrolle in Deutschland einnehmen und mit der Politik der Sozialdemokraten ein demokratischer Staat entstehen würde. Die Ignoranz und Taubheit der meisten Mitmenschen hielt sie für eine notgeborene Übergangserscheinung. So machte sie sich mit Eifer an den Aufbau eines anderen, besseren Deutschland auf der Grundlage der sozialistischen Ideale aus der Weimarer Zeit.
Doch im Sommer 1946 geriet sie zwischen die Fronten der Zwangsvereinigung mit der KPD, drohte verhaftet zu werden und zog mit ihrer Mutter nach England, wo sie sich anfangs als „feindliche Ausländerin“ mit nächtlichem Ausgehverbot wöchentlich bei der Polizei zu melden hatte. Nach nachgeholtem Abitur und Sprachstudium fand sie einen Heimat-Ersatz erst 4 Jahre später im Büro der Sozialistischen Internationale, wo sie als Sekretärin des Generalsekretärs arbeitete und zahlreiche führende Sozialisten aus aller Welt kennenlernte. In England war sie so oft als Deutsche diskriminiert und beschimpft worden, dass sie sich schon entschlossen hatte, nach Deutschland zurückzukehren, als sie zu einem einjährigen Aufenthalt in Indien und Südostasien eingeladen wurde.
Als Inge Deutschkron 1955 nach Deutschland zurückkehrte, und zwar auf Drängen der Eltern ins ungeliebte Bonn, musste sie zuerst ihre politischen und gesellschaftlichen Erfahrungen aus Asien verarbeiten.
„Ich war fest davon überzeugt“, schreibt sie, „dass ich nun die Aufgabe hatte, für Indien zu werben, dass der reiche Westen alles tun müsse, um dem indischen Volk zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen. Diese Mission wurde mein Beruf.“
Ob diese Mission auch eine Ersatzhandlung für ihre eigentliche Absicht war, sich für ein anderes Deutschland einzusetzen, lässt sich nur vermuten. Auf jeden Fall hat ihr Indien-Abenteuer, dem eine Fülle von Berichten und Korrespondenz-Tätigkeit folgte, aus Inge Deutschkron eine engagierte, routinierte Journalistin werden lassen. Für das Ziel, ihrem Überleben einen signifikanten Sinn zu geben, hat sie sich das ideale Handwerk erarbeitet, und damit vor allem den Zugang zur Öffentlichkeit.
Bald wurde Inge bewusst, dass die Realität nicht den Erwartungen entsprach, mit denen sie nach Deutschland zurückgekehrt war. Die Wenigsten verstanden, dass sie mit ihrer Rückkehr ihr Vertrauen in das neue Deutschland ausdrückte und damit zeigte, dass sie zu vergeben bereit war. Mit einer Uneinsichtigkeit und Arroganz diesen Ausmaßes hatte sie nicht gerechnet. Sie stellte fest, dass von Aufarbeitung der Vergangenheit, Gerichtsprozessen über die Täter oder einer nennenswerten Entnazifizierung kaum die Rede sein konnte. Vielmehr beherrschten alte Nazis und Mitverantwortliche für Hitler Wirtschaft und Justiz, und in manchen Ministerien saßen mehr davon als zur Nazizeit selbst.
1960 wuchs Inges Einfluss, als sie zur Deutschlandkorrespondentin der großen israelischen Abendzeitung Maariv ernannt wurde. Sie war in Bonn als einzige Korrespondentin für Israel zuständig. Ihre Empörung über Figuren wie Globke, 80% Nazirichter am Bundesgerichtshof, Nazipensionen, die Ignoranz der katholischen Kirche in Sachen eigener Schuld, Antisemitismus, Leugnung von KZ’s und die wuchernde Akzeptanz einer schamlosen Verdrängungstaktik schlug sich nicht nur in ihrer journalistischen Tätigkeit nieder und machte sie in weiten Kreisen unbeliebt, besonders wenn sie immer wieder neue Namen von Tätern veröffentlichte.
Ihr erstes Buch „... denn ihrer war die Hölle. Kinder in Ghettos und Lagern“, das sie 1965 nach den Erfahrungen im Auschwitz-Prozess herausbrachte, wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung mit der Begründung abgelehnt, dass es keinen Bedarf gäbe. Die Förderung jeglicher Literatur, ich zitiere, „die sich mit der Verfolgung von Juden und Andersdenkenden während der Nazizeit befasst“, sollte eingestellt werden. Als 1966 Willy Brandt zur Entlassung Albert Speers aus dem Spandauer Kriegsverbrechergefängnis einen Blumenstrauß schickte, trat Inge aus der SPD aus und beantragte die israelische Staatsbürgerschaft.
17 Jahre hat sie in Deutschland ausgehalten, und Freunde fragen sie heute noch, warum so lange. Als dann auch noch Sozialdemokraten aus Wahltaktik ihre Ideale opferten und mit Altnazis kungelten, und als Nachfolgegruppen der 68er Studenten den israelischen Botschafter tätlich angriffen, hat es ihr endlich gereicht. 1972 wanderte sie nach Israel aus, erneut auf der Suche nach einer Heimat.
1978 vollendete Inge Deutschkron in Tel Aviv ihre Biographie „Ich trug den gelben Stern“. 30 Jahre hat sie gebraucht, und wohl auch die Distanz zu Deutschland, um die Kraft aufzubringen, dieses Buch zu schreiben.
Sechs Jahre später schickten mir Henning Rischbieter und Manfred Heckenauer Inges Buch mit der Frage, ob es sich nicht für ein Theaterstück eignen würde. Im GRIPS hatte gerade „Voll auf der Rolle“ von Leonie Ossowski Premiere, das sich thematisch so überschnitt, dass es zu der Zeit nicht ging.
1987 lernte ich Inge bei gemeinsamen Freunden kennen. Schon der erste Eindruck war prägend: Sie war so direkt, grade heraus, ja rotzfrech, sprach berlinerisch, liebte Pointen, war erzählfreudig und zu Späßen aufgelegt, dabei politisch links und kompromisslos - na ja, wie sie halt so ist -, dass ich sofort wusste: Mit der kommste klar, und noch am selben Abend beschloss, „Ich trug den gelben Stern“ auf die Bühne zu bringen.
Zusammen mit Detlef Michel habe ich 14 Monate für den Text gebraucht. Das Problem war die Auswahl, denn Inge schreibt nie eine Zeile zu viel. Weil das Buch auf der Bühne 15 Stunden gedauert hätte, teilten wir es mühsam in über 50 Bröckchen auf, um es endlich auf 33 Bilder zu konzentrieren. Das war nur möglich, weil Inge genau wie uns daran lag, den Jugendlichen möglichst anschaulich zu vermitteln, was damals wirklich geschah, auch auf Kosten biographischer Genauigkeit.
Als ich Inge Ende ’87 in Tel Aviv mit einem Sack voll Fragen aufsuchte, war sie immer noch skeptisch, zeigte es mir aber netterweise nicht. Sie war gerade als Redakteurin des Maariv pensioniert worden und erzählte von Existenz-Sorgen in Israel. Als ich ihr spontan vorschlug, doch nach Berlin zu ziehen, war sie dermaßen entrüstet über diese Geschmacklosigkeit, dass ich schon um den Abbruch der Beziehungen fürchtete, aber sie kriegte sich sehr schnell wieder ein, hatte schließlich schon Schlimmeres erlebt. Später, als sie schon eine Wohnung in Berlin hatte, verstand ich sie plötzlich: Täglich auf alte Leute zu stoßen, die früher ohne Zögern zu ihrer Ermordung beigetragen hätten, war schon ein gruseliger Gedanke. Für Inge war es Realität.
Das große Happy End von Inges Geschichte, das wir jetzt erleben, das vierte ihrer „Vier Leben“, in die sie ihre Biographie aufteilt, ist so bekannt wie ihr erstes. Auch davon wäre stundenlang zu erzählen. Inge kam auf die Proben von „Ab heute heißt du Sara“ und war erstmal fix und fertig von dem Schock, sich selbst und ihre Eltern mit ihren Worten auf der Bühne zu erleben. Umgekehrt war Inge für die anfangs noch skeptischen Schauspieler eine Begegnung, die alles veränderte. Die Premiere fand zehn Tage nach den Wahlen vom Januar ’89 statt, bei der die Republikaner in Berlin acht Prozent bekamen. Unser Stück war plötzlich, wieder mal, das aktuellste von Berlin. Und ein gewaltiger Erfolg. Während die älteren Zuschauer betroffen an ihrer Vergangenheit kauten, waren die Jugendlichen hell empört, aufgewühlt, wütend über Inges Schicksal wie über das einer gleichaltrigen besten Freundin, die man verstecken will, weil sie plötzlich abgeschoben werden soll. So verschafften die vielen jungen Menschen im GRIPS Theater Inge nach und nach ein neues Vertrauen, in die Zukunft, in die nächste Generation und zu Berlin. Sie wurde fortwährend in Schulen eingeladen, um mehr zu erzählen und sich ausfragen zu lassen, ein ganzes Buch gibt darüber Auskunft, und sie fand sofort den richtigen Ton. Und als zur Zeit von Rostock und Mölln Neonazis Inge mit Briefen und Anrufen terrorisierten, waren es die Kinder und Jugendlichen, die Inge mit Hunderten von Briefen Mut zum Bleiben machten, mit: „Hier ist Ihr Zuhause“, „Lassen Sie uns nicht mit diesen beschissenen Nazis alleine“, oder: „Haben Sie Probleme, dann wenden Sie sich an uns!“.
Elf Bücher hat Inge bis heute geschrieben, darunter die in Romanform verfasste Geschichte „Das verlorene Glück des Leo H.“, ihres einstigen Freundes Hauser, ein wunderbares, ein schreckliches, für mich ihr bestes Buch; dass es im Buchhandel nicht zu haben ist, ist eine Schande.
Ihr Hauptkampf aber gilt den Stillen Helden, jenen, die jüdischen Mitbürgern in der Nazizeit geholfen und das Leben riskiert haben und denen sie in „Ich trug den gelben Stern“ ein Denkmal setzen wollte. Dass es Tausende von ihnen gab, und dass Inge sie wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, bedeutet auch für Berlin eine winzige Ehrenrettung.
1988, als Inge mit mir die Orte ihrer Verstecke aufsuchte, kamen wir auch in die ehemalige Blindenwerkstatt Weidt, sie stand offen, verlassen, die Stufen knarrten noch, sagt sie, genau wie damals. Heute ist es ein lebendiges Museum, Sitz ihres Fördervereins „Blindes Vertrauen“ und künftige zentrale Gedenkstätte für die Stillen Helden. Freunde wie André Schmitz halfen, dass erstmals in Deutschland Gedenktafeln für diese Schutzengel eingeweiht wurden, für die Gumzens, für Grete Sommer, für Lisa Holländer.
Inge Deutschkron hat ihren lebenslangen Kampf, dem Überleben einen Sinn zu geben, längst gewonnen. Das Triumphgefühl hat obsiegt, das braune Pack, das ihr an den Kragen wollte, um über 60 Jahre überlebt zu haben. Und dennoch meint sie manchmal, erst am Anfang zu stehen, so viel bleibt noch zu tun.
In ihrem leidenschaftlichen Einsatz für ein menschenfreundlicheres Zusammenleben und gegen das Vergessen entwickelt sie ständig neue Ideen und fällt jedem auf die Nerven, wenn ihr etwas stinkt, sei es, weil eine ansonsten sympathische Schule nach einem Nazifunktionär benannt war, heute heißt sie Heinrich-Böll-Schule, sei es, dass bei einer Akademie-Feierlichkeit vor lauter Karajan der Name Max Liebermanns vergessen wird.
Neben zahllosen Diskussionen gibt sie Lesungen mit musikalischer Unterstützung von GRIPS-Schauspielern. Zuhause pflegt sie einen Kreis von Lehrern - und den 1. Mai. Und vor 4 Jahren erfand sie das Blumenprojekt, seitdem besucht eine große Zahl von Schülern am Auschwitz-Tag Überlebende des Holocaust mit Blumensträußen.
Am 9. November letzten Jahres schließlich hat Klaus Wowereit im Roten Rathaus die Inge-Deutschkron-Stiftung aus der Taufe gehoben, die das Lebenswerk von Inge mit all seinen Aspekten in die Zukunft führen soll. Wer es also Ernst meint mit seiner Sympathie für Inge Deutschkron, der kann es mit einer Spende für ihre Stiftung aufs Schönste beweisen.
Als ich Inge kennen lernte, war sie fünf Jahre jünger, als ich heute bin. Sie ist in diesen 20 Jahren nicht älter geworden; wir können uns also noch auf viele Überraschungen von ihr gefasst machen.
Eine israelische Freundin meinte, dass es Inge in Berlin so gut gehe, sei vielleicht die späte Entschädigung irgendeines Gottes für ihr schweres Leben. Wir wollen den Lieben Gott besser außen vor lassen. Und auch mit dem Gut-Gehen etwas vorsichtig sein. Denn das tatsächlich geschehene Unmenschliche bleibt unerklärbar, und für das erfahrene Leid gibt es keine Worte. Die Vermittlung durch Sprache ist nicht identisch mit Bewältigung. In Inge lebt die Erinnerung weiter. Jedes Erzählen, jeder Besuch unseres Stückes ist auch ein schmerzhaftes Wieder-Erleben. „Inge Deutschkrons Engagement verändert unsere Gesellschaft zum Guten“, sprach Klaus Wowereit. Sie hat endlich die Anerkennung gefunden, die sie verdient, sie ist wieder eine von uns, das macht uns glücklich, dankbar und sehr stolz. Aber Inge hat keine Angehörigen, keine Familie. Wie wir sie brauchen, braucht sie auch uns, das wird leicht vergessen. Sie braucht keine Lobeshymnen, sondern unsere Tatkraft. Nichts zum Grübeln, sondern was zu lachen. Nicht unsere Bewunderung, sondern unsere Wärme. Darum wollen wir sie auch heute nicht auf ein Podest stellen, sondern lieber in die Arme nehmen.
In diesem Sinne, Inge, die herzlichsten Glückwünsche zur Luise- Schroeder-Medaille.
Inge Deutschkron braucht keine Lobeshymnen, sondern unsere Tatkraft. Nichts zum Grübeln, sondern was zu lachen. Nicht unsere Bewunderung, sondern unsere Wärme. Darum wollen wir sie auch heute nicht auf ein Podest stellen, sondern lieber in die Arme nehmen.
Volker Ludwig




