Volker Ludwig
70!
Pressestimmen zum Geburtstag
dpa, zum 13.06.2007

"Eine linke Geschichte"
Grips-Chef Volker Ludwig wird 70
Von Wilfried Mommert
Berlin (dpa/bb) - Volker Ludwig wurde 1937 geboren wie einige andere berühmte deutsche Theatermacher wie Peter Stein oder Claus Peymann. Ludwig alias Eckart Hachfeld, der am Mittwoch (13. Juni) 70 Jahre alt wird, leitet mit dem Berliner Grips-Theater seit der Gründung vor fast vier Jahrzehnten das wohl berühmteste Kinder- und Jugendtheater Deutschlands. Bei der Aufmerksamkeit von Medien und Kritikern kann er es allerdings nicht mit den anderen „Veteranen“ an der Spitze der großen deutschen „Erwachsenen“-Theater aufnehmen.
„Wir sitzen noch immer am Katzentisch in der Theater- und Medienlandschaft, da kann ich so alt werden wie ich will“, meint der jung gebliebene Pionier des Kinder- und Jugendtheaters. Aber dieses Schicksal teilt er mit allen anderen Kindertheatern der Republik. Dafür wird hier aber nicht brav applaudiert, sondern leidenschaftlich gejubelt, geweint, gelacht, getrampelt, gejohlt und gepfiffen. Es ist eben auch ein „Mutmach-Theater“.
Dabei hat Ludwig mit seiner Bühne im Berliner Hansaviertel (Grips bedeutet „Köpfchen“ auf berlinerisch) und mit Stücken wie „Max und Milli“, „Stokkerlok und Millipilli“, „Ein Fest bei Papadakis“ und nicht zuletzt mit dem Rockmusical „Linie 1“, das über Jahre an 130 Bühnen das meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Raum war, längst Theatergeschichte geschrieben. Grips war der Pionier eines modernen Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland nach dem Krieg. „Unser internationaler Ruf ist heute noch größer als in Deutschland“, meint Ludwig in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Meine Stücke werden in der ganzen Welt nachgespielt, aber nicht mehr in Deutschland. Realistisches Theater ist modisch out, als ob das keine Kunst wäre. Damit muss man leben. Unser junges Publikum sieht das anders und kommt immer noch.“
Jedes Grips-Stück wurde 20 bis 30 Mal in der Bundesrepublik nachgespielt. Das „antiautoritäre Theater“ hatte Vorbildfunktion für ganze Schüler- und Lehrergenerationen nach der Studentenrevolte von 1968. „Links war schick, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, meint Ludwig rückblickend. „Jedes Stadt- oder Staatstheater schmückte sich mit einem kleinen Grips-Theater, wir waren für viele der große Bruder, die echte Alternative zum angestaubten Weihnachtsmärchen-Theater für Kinder.“
Dabei gab es Zeiten, in denen Grips zu Unterstützern und Sympathisanten der terroristischen Baader-Meinhof-Gruppe gezählt oder der „kommunistischen Infiltration“ von Kindern verdächtigt wurde. Vielleicht nur, weil einer ihrer Hauptsongs „Wer-wie-was-warum - wer nicht fragt bleibt dumm“ lautete. Später meinte der führende Berliner CDU-Politiker Klaus Landowsky zur Verblüffung des neben ihm sitzenden Volker Ludwig in einer Fernseh-Talkshow, das Grips-Theater gehöre neben der Schaubühne zu den beiden interessantesten und wichtigsten Berliner Bühnen. Das hat sich nicht immer in barer Münze ausgezahlt. Ludwig ist schon wieder in „Krisengesprächen“ mit der Berliner Kulturverwaltung über eine Erhöhung seines 2,5-Millionen-Euro-Etats, von dem allein eine halbe Million für die Miete drauf geht.
Und von den ganz großen Gagen können seine Schauspieler auch nur träumen, manche haben bald woanders Karriere gemacht wie Axel Prahl, Dieter Landuris oder Petra Zieser. Und es kommen immer weniger Schulklassen ins Theater. „Habt ihr nicht was Lustiges?“ fragen die Lehrer jetzt. Die Klassen aus dem Osten des Landes stürmen das Stück „Eins auf die Fresse“ über Gewalt an den Schulen. Und dann gibt es noch den Langzeitrenner seit 1980, „Eine linke Geschichte“, über die Hoffnungen und Träume der Außerparlamentarischen Opposition der 68er Bewegung. Es ist damit auch eine Geschichte des Grips-Theaters, die eigentlich zurückreicht bis zum „Reichskabarett“ der „wilden 60er Jahre“ und dem Textautor Hachfeld/Ludwig für Kabarettisten wie Wolfgang Neuss und die „Wühlmäuse“ von Dieter Hallervorden.




